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Journal Club Folge 53 (KW 4): Safety and efficacy of 6% hydroxyethyl starch in patients undergoing major surgery - the randomised controlled PHOENICS trial

Klinik für Anästhesiologie UKHD

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Der Einsatz von Hydroxyethylstärke (HES) zur perioperativen Volumentherapie ist seit Jahren kontrovers diskutiert, insbesondere im Hinblick auf mögliche renale Risiken. In dieser Episode analysieren wir die PHOENICS-Studie, die größte randomisierte, doppelblinde Untersuchung zum Vergleich von 6 % HES 130/0.4 mit kristalloiden Lösungen im perioperativen Einsatz.

Buhre W, Díaz-Cambronero O, Schaefer S, et al.
Safety and efficacy of 6 % hydroxyethyl starch in patients undergoing major surgery: The randomised controlled PHOENICS trial.
European Journal of Anaesthesiology. 2026;43:1–10.
DOI: 10.1097/EJA.0000000000002307

Die perioperative Volumentherapie ist ein zentraler Bestandteil der hämodynamischen Stabilisierung bei großen chirurgischen Eingriffen. Während Hydroxyethylstärke (HES) aufgrund seiner intravasalen Verweildauer effektiv zur Volumenexpansion eingesetzt wird, haben frühere Studien bei kritisch kranken und septischen Patient:innen Sicherheitsbedenken hinsichtlich renaler Komplikationen aufgeworfen.

Die PHOENICS-Studie ist eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Phase-IV-Studie, in der 1958 Patient:innen (ASA II–III) mit erwarteten Blutverlusten ≥ 500 ml bei elektiver abdomineller Chirurgie entweder 6 % HES 130/0.4 oder eine balancierte kristalloide Lösung erhielten. Die Volumentherapie erfolgte leitliniengerecht und innerhalb der zugelassenen Dosierungsgrenzen. Primärer Endpunkt war die Veränderung der cystatin-C-basierten geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) innerhalb der ersten drei postoperativen Tage. Ein zentraler sekundärer Endpunkt war ein kombinierter Endpunkt aus Mortalität und schweren postoperativen Komplikationen bis Tag 90.

HES erwies sich im primären Endpunkt als nicht unterlegen gegenüber kristalloiden Lösungen hinsichtlich der Einschränkung der frühen postoperativen Nierenfunktion. Auch für den kombinierten Endpunkt aus Mortalität und schweren Komplikationen nach 90 Tagen konnte Nichtunterlegenheit gezeigt werden. Die Ein-Jahres-Nachbeobachtung ergab keine signifikanten Unterschiede bezüglich Gesamtmortalität oder Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie. Darüber hinaus zeigten sich bei HES eine geringere positive Flüssigkeitsbilanz, eine geringere Abnahme des mittleren arteriellen Drucks sowie ein reduzierter Bedarf an vasoaktiven Substanzen.

Die Ergebnisse der PHOENICS-Studie liefern robuste Evidenz dafür, dass der perioperative, indikationsgerechte Einsatz von 6 % HES 130/0.4 bei chirurgischen Patient:innen ohne Kontraindikationen gut verträglich ist und keine klinisch relevante Verschlechterung der Nierenfunktion oder der postoperativen Outcomes verursacht.